Schnitzworkshop – Kleiekotzer in der Mühle

Kleiekotzer (auch Mühlgötze, Mühlgosche oder Schreckkopf genannt) sind in alten Getreidemühlen Bestandteil des „Beutelkastens“. Dieser Kasten nimmt das Mehl auf, das aus dem Mahlgang herunterfällt und in einen Beutelschlauch geleitet wird. Diese einfachste Siebung trennte dabei das Mehl von der Kleie, die dann aus dem holzgeschnitzten Kleiekotzer ausgeschieden wurde. Dieses oft kunstvoll geschnitzte, meistens fratzenhafte Gesicht mit offenem Mund war auch der Schutzgeist der Mühle.

Der Mensch hatte offensichtlich schon seit antiker oder möglicherweise vorgeschichtlicher Zeit das Bedürfnis, ihm wertvolle Erzeugnisse oder Räume vor bösen Mächten zu schützen. Durch Komik oder Grauen sollte der Eindringling abgelenkt oder verschreckt werden. Auch im Mühlenbereich war Aberglaube im Spiel.

Wir alle erinnern uns mit leichtem Schaudern an die Szene aus dem siebten und letzten Streich von „Max und Moritz“, als der Müller die beiden in den Mühlentrichter wirft. Eine fratzenhafte Maske spuckt dann die Umrisse der „bösen Buben“ aus Schrot auf den Boden. Mit „Doch sogleich verzehret sie Meister Müllers Federvieh“ endet schließlich die grausame Geschichte.

Die Beutelkästen sind seit dem 16. Jahrhundert bekannt, sie gehen möglicherweise auf eine Erfindung Leonardo da Vincis zurück. Erstmals werden sie 1502 bei einer Mühle in Zwickau erwähnt. Ab 1850 ändert sich die Technik des Mehlaussiebens, damit werden auch die Kleiekotzer überflüssig. Deshalb findet man die skurrilen Figuren heute vorwiegend in Museen. Am Ursprungsort, in den Mühlen, sind sie nur noch selten anzutreffen. Die „Künstler“ – meist Mühlenbauer, Zimmerleute, Schnitzer oder auch die Müller selbst – schufen eine Fülle verschiedener Formen.

Das Jubiläumsjahr – 25 Jahre Seefelder Mühle – ist nun Anlass genug, um diese Figur aus der Kulturgeschichte der Mühlen entsprechend zu würdigen. Wir wollen das mit einem Schnitzworkshop machen und laden auf diesem Wege dazu ein.

Mit Hans Lichtenberger aus Olbernhau im Erzgebirge wurde ein überaus qualifizierter und renommierter Schnitzer als Leiter des Workshops gewonnen.

Das Holz (abgelagerte Linde) in der notwendigen Größe wird vom Veranstalter gestellt.

Schnitzwerkzeuge können ebenfalls in begrenzter Anzahl zur Verfügung gestellt werden.

Termin:

Samstag, 28.April 2012 bis Montag, 30.April jeweils von 10.00Uhr bis 17.00Uhr
Ort: Seefelder Mühle

Kosten: 80 € für den Workshop, dazu muss das Material (Schnitzholz) bezahlt werden.

Außerdem besteht die Möglichkeit im Mühlencafé die Verpflegung (Mittagessen, Kaffee, Kuchen) zu erwerben.

Anmeldungen bis zum 15.04.2012 unter Telefon: 04734 – 1236 oder E-Mail:  reservierung@seefelder-muehle.de 

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