Erzählen

Maria Anna Nordiek setzt mit ihren Kleinplastiken auf das Erzählen. Sie stellt den Betrachter vor eine Bühne, eine reguläre kleine Guckkastenbühne, in sich Szenen abspielen, die sofort Assoziationen, Gefühle, Erinnerungen auslösen. Hier zum Beispiel ist es eine winzige Metallfigur, die zwischen Metalldrähten gestellt ist: Ein Mensch, der sich im hohen Schilfgras oder zwischen Baumstämmen verliert, einer, der in der Irre geht, eine Frau, die vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht? Ein anderes Mal baut sie einen winzigen Mann mit Spitzhacke neben einer riesigen, bedrohlichen hölzernen schwarzen Säule auf: Übermächtig der Auftrag, den er erfüllen muss also, unlösbar die Aufgabe oder sucht er Schutz daneben? Die Geschichten führen uns in der Fantasie hierhin und dorthin: Hier entdecken wir kleine Archen, auf denen tatsächlich Noahs Tiere leben. Dort balanciert ein kleiner Mann als Seiltänzer Richtung Mond oder steht mit seinem Koffer verloren im All.   FotoPostkarte

Die Miniaturfiguren, höchst perfekt, stammen aus der Spielzeugwelt. Es sind Plastikfiguren der Firma Preiser, die sonst ihren Platz im Modellbau haben. Maria Anna Nordiek lässt sich von ihnen zu einer anderen Art spielerischem Vergnügen anregen. Sie gießt sie im verlorenen Guss in Metall nach und macht sie zu Akteuren auf ihren Lebensbühnen. Damit setzt sie ein Verwirr- und Verweisungsspiel in Gang: Die winzigen Figuren werden aus der Welt der Massenware in eine frei gestaltete gesetzt, in eine künstlerisch erfundene Wirklichkeit. Die Banalität ihrer Herkunft aus der industriellen Produktion wird handwerklich nobilitiert, sie werden mit ganz andere Traditionen und Bedeutungen aufgeladen. Da prallen Welten aufeinander, werden aneinander gemessen und versöhnen sich ja auch vielleicht.
Natürlich beherrscht die Künstlerin die traditionellen Handwerkstechniken, die ohne raffinierte moderne Hilfsmittel auskommt. Das demonstriert sie auch an den schweren Ringobjekten – die kaum als Schmuck verwendbar sind. Kleinste gegenständliche Attribute wie Fische, Häuser, Schiffe, Vögel werden fein in Silber ausgestaltet und zum Bestandteil massiver Ringe gemacht. Die Spannung von aktueller Form und archaischer Symbolik ist einkalkuliert. Die Kleinstplastiken dürfen ihre Kraft als Symbole entfalten und vom Werden und Vergehen, von Reise und Aufbruch, vom Träumen und von den Fragen reden, die schon biblisch überliefert sind und immer neue Antworten suchen.
Die Kleinskulpturen von Maria Anna Nordiek regen den Betrachter an, an die Wurzeln zu denken, die in unserem global orientierten, technisch geprägten Umfeld immer wichtiger werden.
Dr. Irmtraud Rippel-Manß

 

Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2016 samstags und sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Vernissage am Sonntag, 8. November 2015 um 15 Uhr

Ort: Seefelder Mühle

 

 

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