Save the Date – Foto- und Textarbeiten von Matthias Langer

Save the Date, sichere Dir den Termin. In Zeiten der elektronischen Terminplanung ein ganz normaler Vorgang. Vormerken, vermerken, Memo schreiben. Allgegenwärtig und öffentlich, ganz anders als zu Zeiten des privaten Taschenkalenders. Planung ist alles. In der kurzlebigen Zeit wird ein vergessener Termin, eine nicht wahrgenommene Chance gleich zur persönlichen Katastrophe. Der richtige, einzigartige Moment läßt sich nicht wiederholen und auch nicht in einer Mediathek später erleben. Es sei denn, er ist festgehalten worden.

Das Medium, das immer mit dem richtigen Moment in Verbindung gebracht wird, ist die Fotografie. Mit ihrer Hilfe läßt sich jeder abgelichtete Augenblick wieder erleben, und wer selber nicht dabei war, kann sich das Verpasste mit lichtbildunterstützen Erklärungen vergegenwärtigen.

Aber kann man den richtigen Moment einplanen, wenn das Ereignis nicht, wie zum Beispiel bei einer Inszenierung, wiederholt werden kann? Ebenso stellt sich die Frage nach dem Zufall, dem Nicht-Vorhersehbaren.

Die Fotoarbeiten von Matthias Langer sind geplant, ihnen liegt ein Konzept zu Grunde.

Bei einer Bildserie «Entschleierte Bilder» hält er die letzte Stunde des Tags fest, indem er den in den Sonnenuntergang hinein exakt eine Stunde belichtet. Der Berührungspunkt mit dem Horizont wird von der Bildkomposition bestimmt. Der geeignete Tag lässt sich mit Kartenmaterial und Sonnenverlaufskurven ermitteln. Da er von Tag zu Tag an eine andere Stelle wandert, gibt es nicht sehr viele Tage für ein geeignetes Foto an diesem Ort. Himmelserscheinungen wie Sonnenauf- und -untergänge, Sonnenwenden und -finsternisse werden seit alter Zeit vorherberechnet, um Planungssicherheit zu haben und um Überraschungen zu vermeiden. Dieses Wissen war ein Machtfaktor. Heute kann man Zeitpunkt des Sonnenuntergangs und andere astronomische Fakten der Tageszeitung entnehmen.

60 Minuten vor dem Sonnenuntergang beginnt die Aufnahme, das ist so festgelegt. Andere Umstände lassen sich nicht beeinflussen. Hier schlägt der Zufall zu und lässt ein unvorhergesehenes Bild entstehen, dessen Bühne der Bildausschnitt ist. Ist einmal der Auslöser gedrückt, dann läuft die Belichtungszeit und das Bild schreibt sich selbst in die lichtempfindliche Schicht des Filmmaterials ein.

Nach der Entwicklung kann die Fotografie betrachtet werden und lässt den Moment der Aufnahme revue passieren. Dann stellt sich das Gefühl der Überraschung oder des Entzückens ein, wie es früher dem heimgekehrten Urlauber erging, wenn er sich die Fotoabzüge der letzten Reise im Geschäft noch in der Kassenschlange anschaute.

Alle Fotoarbeiten von Matthias Langer kreisen um Begriffe wie Zeit und Dauer, Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerung und Vergessen. Dabei arbeitet er neben der Fotografie auch Textarbeiten.

 

Vernissage am 30.6.17 um 19 Uhr

Künstlergespräch mit Matthias Langer am 04. August 2017 um 19 Uhr

Die Ausstellung wird bis zum 20. August gezeigt

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