Literarischer Landgang – Iris Wolff unterwegs im Oldenburger Land

18.05.2022   Die Schriftstellerin Iris Wolff erhielt 2021 vom Literaturhaus Oldenburg das Landgang-Stipendium, ein Reisestipendium durch das Oldenburger Land. Vom 10. bis zum 17. Oktober war sie im Nordwesten Niedersachsens unterwegs. „Was für ein wunderbares Stipendium“, lautete ihre Rückmeldung, nachdem sie als Stipendiatin berufen worden war. „Man darf Land und Leute kennenlernen, eine ganz eigene Erzählspur legen und mit einem Text wiederkommen. Reisen, zuhören, Geschichten sammeln, Landschaften in sich aufnehmen, mit dem Zufall arbeiten – ich sage freudig: Ja!“ Den Ausgangspunkt ihres 2012 veröffentlichten Debütromans „Halber Stein“ bildet auch eine Reise. Iris Wolff lässt in dem Buch eine junge Frau nach dem Tod der Großmutter zurück nach Siebenbürgen reisen. Die Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte der Großmutter und die Erzählungen der Dorfbewohner begleiten ihre Suche nach der eigenen Identität. Welche Geschichten Iris Wolff sammelte, als sie im Oldenburger Land unterwegs war, wie die norddeutschen Landschaften auf sie wirkten und wie groß die Rolle war, die sie dem Zufall einräumte, werden wir erfahren: In Cloppenburg, Delmenhorst, Jever, Seefeld, Westerstede und Oldenburg wird die Schriftstellerin im Mai 2022 ihren Landgang-Text zusammen mit Monika Eden präsentieren. Die Veranstaltungsorte entsprechen den Stationen, die sie bei ihrer Landgang-Reise schon im Oktober 2021 besuchte. 

Iris Wolff, 1977 in Hermannstadt geboren, wuchs im Banat und in Siebenbürgen auf, bevor sie 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland emigrierte. Nach einem Studium der Germanistik, Religionswissenschaft sowie Grafik und Malerei in Marburg an der Lahn arbeitete sie lange am Deutschen Literaturarchiv Marbach und als Dozentin für Kunst- und Kulturvermittlung. Iris Wolff ist Mitglied im Internationalen Exil-PEN und lebt als freie Autorin in Freiburg im Breisgau. Wie im Debüt der Schriftstellerin nimmt die Erzählung auch im 2020 erschienenen Roman „Die Unschärfe der Welt“ ihren Ausgangspunkt im Banat. Vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Historie des 20. Jahrhunderts erzählt er über vier Generationen die bewegte Geschichte einer Familie, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen. Für ihre literarischen Veröffentlichungen wurde Iris Wolff bereits mehrfach ausgezeichnet. Allein im Jahr 2021 erhielt sie den Marie Luise Kaschnitz-Preis, den Evangelischen Buchpreis, den Solothurner Literaturpreis, den Eichendorff-Literaturpreis und den Preis der LiteraTour Nord.

„Es sind nicht nur die Stoffe, die Veranstalter und Kooperationspartner den Anlass für ein Buch geben, sondern auch die Lust, mit Formen und Strukturen zu experimentieren, neue Erzählweisen auszuprobieren. Alles ist ja schon einmal gesagt worden, Literatur handelt von wenigen existentiellen Themen. Für mich ist die Suche nach neuen, nie dagewesenen Themen weniger relevant – ich vertraue darauf, dass sich meine Sprache verändert, dass ich immer wieder neue Bilder finde für das, was mich umgibt und beschäftigt. Der Anreiz für meinen Lesehunger ist ebenfalls eher die Form und die Sprache. Wie jemand über etwas schreibt, das kann neu sein, kann dazu führen, dass ich die Welt durch die Augen eines anderen sehe.“

 Iris Wolff Iris Wolff in einem Gespräch mit Florian Wernicke und Pascal Mathéus im Januar 2021

 

Das Landgang-Stipendium wird jährlich an einen hochkarätigen deutschsprachigen Schriftsteller vergeben. Die bisherigen Stipendiaten waren Matthias Politycki, Marion Poschmann, Michael Kumpfmüller, Mirko Bonné, Judith Hermann und Jan Brandt.

Termin: Mittwoch, 18. Mai 2022 um 19.30 Uhr

Eintritt: 8€;

Kartenreservierung: kulturzentrum@seefelder-muehle.de oder 04734-1236

 

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